RhyTech-Quartier

Interviews zum RhyTech-Quartier

Interview: Andreas Hänsenberger, Konzeptentwickler Halter AG (September 2012)

"Wir gewinnen ein neues Quartier"

Stephan Rawyler, Gemeindepräsident (Schaffhauser Nachrichten vom 12. Juli 2012)

Neuhausen will mit dem neuen Rhytech-Quartier wachsen sowie moderner und urbaner werden. Warum das Projekt so zukunftsträchtig ist, erklärt Gemeindepräsident Stephan Rawyler im Interview (Adrian Ackermann, Schaffhauser az vom 12. Juli 2012).

Die Präsentation des Entwurfs für das Rhytech-Areal letzte Woche war gross aufgemacht. Presse und Radio bezeichneten das Projekt als «visionär» - auch Sie betonten die grosse Bedeutung für die Gemeinde.

Nicht nur für Neuhausen, sondern für die ganze Region ist das Projekt wichtig. Wird es realisiert, ist das ein Zeichen dafür, dass man neuen Bauformen eine Chance gibt. Es wäre auch ein Bekenntnis zum urbanen Grossraum Zürich und dafür, dass wir uns in diese Richtung entwickeln wollen. Der Entwurf ist klar ein Gegenvorschlag zum Baumodell anderer Gemeinden, die sich aus möglicherweise berechtigten Gründen für eine Entwicklung in die Fläche entschieden haben. Wenn wir bei uns die 400-500 Leute, die im neuen Rhytech-Areal wohnen könnten, in Einfamilienhäuser einquartieren wollten, müssten wir etwa 150'000 Quadratmeter einzonen.

Denken Sie, dass die Zeit der Einfamilienhaus-Quartiere vorbei ist?

In Neuhausen ja. Aber eine solche Verdichtung, wie wir sie nun auf dem Rhytech-Areal vorsehen, funktioniert nur, wenn auch die entsprechenden Verkehrsverbindungen vorhanden sind. Das sind sie bei uns.

Was gefällt Ihnen am Siegerprojekt der Zürcher Baufirma Halter Unternehmungen nun eigentlich am besten?

Dass wir bei der Umsetzung nichts Grünes vernichten müssen. Kein Baum, kaum ein Busch muss weichen. Wir machen hier aus einem öden Parkplatz eine neue, attraktive Siedlung. Wir gewinnen aus dem geschlossenen Industrie-Areal ein neues Quartier.

Nach der Präsentation kommt nun die Diskussion. Wahrscheinlich wird vor allem die geplante Höhe der Wohnblöcke ein Thema sein. Sehen Sie das auch so?

Ja, die Höhe ist immer ein Thema. Aber auch die Mächtigkeit der beiden freistehenden Blöcke. Ich persönlich bin der Ansicht, dass ab einer bestimmten Höhe ein Haus einfach hoch ist - so ungefähr ab dem 11. Stockwerk. Dann muss man sich fragen, ob das Gebäude in die Silhouette der Gemeinde passt und ob man damit leben kann. Ich denke, hier passt es.

Neuhausen scheint optimistisch in die Zukunft blicken zu können. Mit den ausgebauten Verkehrsverbindungen durch die neue S-Bahn und modernen, urbanen Siedlungen wie eben dem Rhytech wird die Gemeinde sicher attraktiver.

Dass wir seit Längerem auf dem richtigen Weg sind, beweist das Raumkonzept Schweiz (2011) vom Bundesamt für Raumplanung, das ich in den letzten Wochen genauer studiert habe. Es geht beim Bauen und Umgestalten darum, Identität zu schaffen, dass man sich wohl fühlt, wo man wohnt. Andererseits soll aber auch hochwertige Architektur angestrebt werden. Auf beide Aspekte haben wir schon bei jüngeren Bauten besonderen Wert gelegt, so beispielsweise beim Bellevue, beim sogenannten Alpenblickblock an der Birchstrasse oder auch bei den Geschosswohnungen an der Schützenstrasse. Ausserdem haben wir das Zentrum aufgewertet. Das sind alles kleine Schritte, die uns aber für Projektentwickler und Investoren wieder spürbar interessanter gemacht haben. Ja, ich bin daher optimistisch.

Ist die Finanzierung des Projekts gesichert? Gibt es bereits Investoren?

Die Firma Halter Unternehmungen, die bis anhin das ganze finanzielle Risiko trägt, sagt, Investoren zu finden, sei kein Problem. Die Fonds und die grossen Versicherungen investieren offenbar lieber in ein 120-Millionen- als in ein 30-MilIionen-Projekt. Ich habe schon über diese Dimensionen gestaunt, aber die Aufgabe der Gemeinde wird es nun vor allem sein, den rechtlichen Rahmen für die Umsetzung zu schaffen.

Die Entwicklung des Rhytech-Areals schafft einerseits die Möglichkeit, Wohn- und Arbeitsplatz zu verbinden - andererseits werden die Wohnungen sicher für Pendler attraktiv sein. Welche Zuzüger wünschen Sie sich als Gemeindepräsident?

Es ist klar: Mit Neuhauserinnen und Neuhausern alleine können wir die neue Siedlung nicht füllen. Ich denke, die RhyTech-Überbauung wird vor allem für Menschen attraktiv sein, die urban wohnen wollen. Ich persönlich glaube eher nicht, dass man mit Kindern in so einen grossen Wohnblock zieht. Aber es ist natürlich möglich und für die Gemeinde wünschenswert, wenn vermehrt jüngere Menschen kommen. Wir wissen: Schaffhausen ist nach Basel-Stadt der Kanton mit der zweitältesten Bevölkerung. Nicht zuletzt deswegen diskutieren wir auch die Idee einer Kindertagesstätte. In einer ähnlichen Siedlung in Dietikon hat sich sogar die Stadt eingemietet und eine Schule untergebracht.

Bevölkerungszuwachs bringt auch privaten Mehrverkehr. Noch werden lange nicht alle Menschen auf ein Auto verzichten. Wird das innerorts nicht zu neuen Verkehrsproblemen führen?

Bestimmt gibt es Massnahmen, die man ergreifen muss. Beispiel: Schleichverkehr. Schon heute berichten Anwohnerinnen und Anwohner, dass Autofahrer die Brunnenwiesenstrasse
und die Badische Bahnhofstrasse benutzen, um den Stau an der Zollstrasse zu vermeiden. Da werden wir sicher etwas unternehmen müssen, unabhängig vom nun vorliegenden Bauprojekt. Nördlich sind wir beim Eingang zur Klettgauerstrasse mit der heutigen Lichtsignalanlage gut gerüstet und, was man nicht vergessen darf: Der Galgenbucktunnel wird sicher eine grössere Entlastung bringen. Erkenntnisse aus bereits bestehenden ähnlichen Siedlungen zeigen aber auch klar: Die Bewohner haben weniger Autos als der Durchschnitt. Das neue Quartier wird mit dem öffentlichen Verkehr mit Bus und Bahn super erschlossen sein; man wird am gleichen Ort wohnen, arbeiten und einkaufen können. Ich bin überzeugt, dass das zukunftsweisend ist. Läden im RhyTech-Quartier werden zudem auch für die angrenzenden Quartiere Oberdorf und Brunnenwiesen interessant sein.

Was halten eigentlich die Anwohner vom präsentierten Projekt. Wurden sie eingebunden und über die Pläne informiert?

Ich habe in den letzten Monaten in Medien und im Gesprächen mit den Menschen immer wieder angekündigt, dass Neuhausen bald über Hochhäuser wird abstimmen können. Was genau damit gemeint war, wissen auch die Anwohner erst seit der Präsentation von letzter Woche. Uns war es wichtig, bei der Information einen konkreten und durchdachten Entwurf präsentieren zu können, hinter dem auch die Gemeinde steht. Stark negative Reaktionen habe ich bislang keine gehört. Die Diskussion muss aber mit der ganzen Gemeinde und nicht nur mit den Anwohnerinnen und Anwohnern geführt werden. Die Mächtigkeit der geplanten Bauten darf man schliesslich nicht verniedlichen. Aber wenn Verdichtung gefordert wird, hat das auch Konsequenzen. Man kann das Fell des Bären nicht waschen, ohne dass es nass wird.

Interview Andreas Hänsenberger, Konzeptentwickler Halter AG

Das RhyTech-Areal soll weiterentwickelt werden und künftig eine gemischte Nutzung aus Wohnen, Dienstleistungen und Industrie beherbergen.Andreas Hänsenberger ist Konzeptentwickler bei der Firma Halter Entwicklungen. Das Unternehmen hat sich auf derartige Arealentwicklungen spezialisiert und koordiniert und führt im Auftrag der Eigentümer auch im RhyTech-Areal die Standort- und Projektentwicklung.

Was ist auf dem RhyTech-Areal geplant? Was bedeutet dies für die heute ansässigen Unternehmen? Andreas Hänsenberger hat uns diese und weitere Fragen beantwortet.
 
Was sieht das Projekt auf dem RhyTech-Areal vor?
Das RhyTech-Areal wird zum RhyTech-Quartier und damit zu einem lebendigen und inspirierenden Wohn-, Arbeits- und Begegnungsort. Das bisher abgeschottete Industrieareal wird geöffnet und soll sich zu einem belebten Quartier entwickeln.
Die bestehenden RhyTech-Bauten werden dabei grösstenteils erhalten, während entlang der Bahnlinie drei neue Wohnbauten entstehen: ein Hofrandgebäude zur Zollstrasse hin und zwei Hochhäuser.
 
Passt die heutige Mieterschaft auf dem Areal noch in das neue Konzept?
Selbstverständlich, denn ein Quartier darf seine Geschichte nicht verleugnen. Die heutigen Büro- und Laborarbeitsplätze bleiben erhalten und setzen die Tradition des RhyTech-Areals fort. Die Entwickler und Investoren haben grosses Interesse daran, die heutigen Mieter auf dem Areal zu behalten. Viele der heute vermieteten Gebäude werden deshalb erhalten.
 
Können die heutigen RhyTech-Unternehmen von der Entwicklung profitieren?
Sie profitieren von der Aufwertung und Belebung des Areals. Die bessere  – und schönere – Anbindung an die Bahn beispielsweise kommt auch den RhyTech-Unternehmen, ihren Mitarbeitenden und Besuchern zu Gute. Ebenso profitieren sie von den neuen Freizeit-, Kultur- und Einkaufsangeboten, die in der markanten Halle 22 entstehen sollen. Zudem wird der Technologiepark ja nicht nur erhalten, sondern bei Bedarf auch ausgebaut – zunächst in bestehenden und sanierten, später auch in neuen Gebäuden.
 
Soll das RhyTech-Quartier künftig neben Technologie- und Gewerbeflächen auch Wohnungen beherbergen?
 Ja, denn die Kombination aus Wohnen und Arbeiten wird immer beliebter, weil diese zeitgemässe Verbindung gleichzeitig verschiedene Bedürfnisse abdeckt. Sie spart Zeit und die Umwelt wird weniger belastet. Zudem beleben Mischnutzungen ein Quartier ganztags.
 
Was ist der aktuelle Stand des Projekts und wie sehen die nächsten Schritte aus?
Über den Abschluss des Wettbewerbs ist die Bevölkerung seit Juli informiert: Das Projekt von Peter Märkli wurde einstimmig zum Sieger erkoren. Nun führt die Gemeinde die Anpassung der Bauordnung und des Zonenplans durch. Denn erst der neue Zonenplan ebnet den Weg zum neuen Quartierplan. Die beiden Verfahren laufen parallel und die Bevölkerung hat in beiden die üblichen Mitsprachemöglichkeiten. Nach der Genehmigung von Zonen- und Quartierplan erfolgt für jedes Bauvorhaben im RhyTech-Quartier das normale Baubewilligungsverfahren.

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